Anschreiben schreiben: So überzeugst du in einer Seite

Das Anschreiben ist der Teil der Bewerbung, den die meisten hassen, und den viele Recruiter trotzdem lesen. Wer ein Anschreiben schreiben will, das nicht nach Textbaustein klingt, braucht drei Dinge: einen Einstieg, der nicht "Hiermit bewerbe ich mich" heißt, einen klaren Bezug zur Stelle und den Mut, sich auf eine Seite zu beschränken. Ich habe über 5.000 Bewerbungen geprüft. Hier steht, was funktioniert.

Braucht man 2026 überhaupt noch ein Anschreiben?

Kurz: Jein, in den meisten Fällen ist es nicht mehr zwangsläufig benötigt. Steht in der Anzeige "Anschreiben optional", kann es sich trotzdem lohnen, eins beizulegen. Viele Bewerber sparen es sich, und genau deshalb hebst du dich damit ab.

ABER: Wenn du schon eins schreibst, dann ein richtig gutes, denn ein schlechtes reißt mehr ein, als ein gutes bewirken kann, wenn denn der Lebenslauf grundsätzlich passt.

Kurz erklärt: Das Anschreiben zeigt, warum du auf diese Stelle bei diesem Unternehmen passt. Der Lebenslauf zeigt, was du getan hast. Das Anschreiben erklärt, was das für den Arbeitgeber bedeutet.

Verzichten kannst du nur, wenn die Anzeige ausdrücklich keins will (z. B. Ein-Klick-Bewerbung oder reine Lebenslauf-Abfrage).

Der Aufbau: Vier Absätze reichen

Ein gutes Anschreiben hat eine einfache Struktur:

  1. Einstieg: Warum diese Stelle, warum dieses Unternehmen?
  2. Hauptteil 1: Was bringst du mit? (Deine zwei, drei stärksten Argumente für die Stelle)
  3. Hauptteil 2: Was bringst du dem Unternehmen? (Ein Beispiel, ein Ergebnis)
  4. Schluss: Verfügbarkeit, Wunsch nach einem Gespräch, Grußformel

Länge: maximal eine DIN-A4-Seite, etwa 200 bis 300 Wörter. Alles darüber liest kaum jemand komplett.

Der Einstieg: Der erste Satz entscheidet

Recruiter*innen sehen täglich Dutzende Anschreiben, die mit denselben Sätzen anfangen. Das hier ist der Klassiker:

Hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle als Marketing Manager (m/w/d).

Das steht schon in der Betreffzeile. Kein Informationsgewinn, kein Grund weiterzulesen.

Besser:

Als ich bei Ihrer Kampagne für [Produkt] gesehen habe, wie konsequent Sie auf Kundenstimmen setzen, wusste ich: Genau in diesem Umfeld möchte ich Marketing machen.

Oder direkt über deine Stärke:

Drei Jahre Erfahrung im E-Commerce-Marketing und ein Budget von 20.000 € pro Monat: Damit möchte ich Ihr Team als Marketing Manager unterstützen.

(Beispiele. Die Details musst du durch deine ersetzen. Wichtig: Der Bezug muss echt sein.)

Hauptteil: Beweise statt Behauptungen

Streiche Sätze wie "Ich bin teamfähig, belastbar und flexibel". Jeder schreibt das, keiner glaubt es.

Beweise es mit einem konkreten Beispiel:

Schwach:

Ich bin sehr kommunikativ und arbeite gerne im Team.

Stark:

Im Praktikum bei [Firma] habe ich mit drei Kollegen den Newsletter-Relaunch umgesetzt. Ergebnis: Die Öffnungsrate stieg von 18 % auf 27 %.

(Beispiel, bitte durch deine eigenen Zahlen ersetzen.)

Orientiere dich an der Stellenanzeige. Wähle die zwei, drei wichtigsten Anforderungen und zeige zu jeder ein Beispiel aus deinem Lebenslauf. Alles, was nicht zur Stelle passt, lässt du weg.

Warum dieses Unternehmen? Recherche zahlt sich aus

Ein Anschreiben, in dem man den Firmennamen austauschen kann, ohne dass es auffällt, ist ein Standardtext. Und der wird aussortiert.

Ein paar Minuten Recherche reichen:

  • Was macht das Unternehmen konkret? (Produkt, Kunden, Standort)
  • Gibt es aktuelle Projekte, Neuigkeiten, Werte, die dich ansprechen?
  • Was sagt die Stellenanzeige über das Team oder die Kultur?

Ein bis zwei konkrete Bezüge genügen. Mehr wirkt aufgesetzt.

Der Schluss: Klar und ohne Bettelton

Vermeide Formulierungen wie "Ich würde mich freuen, wenn Sie mir die Chance geben…" Sie klingen nach Bittsteller.

Besser:

Ich freue mich auf ein Gespräch, in dem ich Ihnen zeigen kann, wie ich Ihr Team unterstütze. Ich stehe ab dem 1. Januar zur Verfügung.

Nenne, wenn es passt, deinen frühesten Eintrittstermin. Gehaltsvorstellung nur, wenn sie in der Anzeige verlangt wird.

Anschreiben schreiben ohne Berufserfahrung

Studierende und Absolventen haben weniger Stationen, aber das ist kein Nachteil, wenn du richtig argumentierst.

Nutze:

  • Praktika und Werkstudententätigkeiten
  • Uni-Projekte und Abschlussarbeiten mit Praxisbezug
  • Ehrenamt, Fachschaft, Vereinsarbeit
  • Nebenjobs mit Kundenkontakt

Erkläre, was du dort gelernt hast und warum es zur Stelle passt. Wichtig ist der Transfer: Nicht "Ich habe im Café gearbeitet", sondern "Im Café habe ich gelernt, unter Zeitdruck freundlich zu bleiben. Genau das brauche ich im Kundenservice."

Formales: Das gehört ins Anschreiben

  • Kopf: Deine Kontaktdaten, Datum, Empfängeradresse
  • Betreff: "Bewerbung als [Stellenbezeichnung]" (gegebenenfalls mit Referenznummer)
  • Anrede: Möglichst mit Namen ("Sehr geehrte Frau Müller"). Steht in der Anzeige ein Ansprechpartner, nutze ihn. Ist keiner genannt, ruf kurz an oder schau auf der Website.
  • Grußformel: "Mit freundlichen Grüßen"
  • Format: PDF, im gleichen Design wie der Lebenslauf

Wenn du wissen willst, welche Patzer im Anschreiben am häufigsten vorkommen, lies unseren Artikel zu den häufigsten Anschreiben-Fehlern. Und der Lebenslauf muss natürlich auch sitzen: Lebenslauf schreiben.

Häufige Fragen zum Anschreiben

Wie lang sollte ein Anschreiben sein?

Maximal eine DIN-A4-Seite, etwa 200 bis 300 Wörter. Kürzer ist besser, solange alle wichtigen Argumente drinstehen.

Wie beginne ich ein Anschreiben, ohne "Hiermit bewerbe ich mich" zu schreiben?

Steige mit einem konkreten Bezug ein: zum Unternehmen, zum Produkt oder zu deiner stärksten Qualifikation für die Stelle. Der erste Satz sollte etwas verraten, was nicht schon in der Betreffzeile steht.

Muss ich im Anschreiben mein Gehalt nennen?

Nur wenn die Stellenanzeige ausdrücklich danach fragt. Dann nennst du eine Spanne oder ein Bruttojahresgehalt. Fragt niemand danach, lässt du es weg.

Was schreibe ich, wenn ich keinen Ansprechpartner kenne?

Recherchiere den Namen auf der Website, bei LinkedIn oder ruf kurz beim Unternehmen an. Wenn nichts hilft, ist "Sehr geehrte Damen und Herren" in Ordnung. Ein Name macht aber immer einen besseren Eindruck.

Kann ich ein Anschreiben mit KI schreiben lassen?

Als Startpunkt ja, als fertiges Ergebnis nein. Recruiter erkennen die typischen glatten KI-Formulierungen schnell. Schreib deine eigenen Beispiele und Zahlen hinein und lies den Text laut, bevor du ihn abschickst. Klingt er nicht nach dir, ändere ihn.

Ein Anschreiben, das wirklich zu dir passt

Wenn du beim Formulieren nicht weiterkommst: Im Unterlagen-Check prüfe ich dein Anschreiben und deinen Lebenslauf mit Recruiter-Blick und sage dir klar, was du ändern solltest. Bei der Komplettbewerbung schreibe ich beides mit dir zusammen.

Kontakt: marcel@cvcheck.online oder Instagram @marcel.lkas.

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