
Fehler im Anschreiben: Die 10 häufigsten Patzer und wie du sie vermeidest
Ein Anschreiben muss nicht perfekt sein, aber es darf dich nicht aus dem Rennen kicken. Nach über 5.000 geprüften Bewerbungen sehe ich immer wieder dieselben Fehler im Anschreiben. Die gute Nachricht: Sie sind fast alle leicht zu beheben. Hier sind die zehn häufigsten, mit Beispielen und konkreten Alternativen.
Kurz erklärt: Die größten Fehler im Anschreiben sind Standardfloskeln, fehlender Bezug zur Stelle, zu viel Text, falsche Ansprechpartner und Rechtschreibfehler. Sie sind vermeidbar, wenn du dir für jede Bewerbung 30 Minuten Zeit nimmst und den Text an die Stelle anpasst.
Fehler 1: Der Standard-Einstieg
"Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als …"
Das steht schon in der Betreffzeile. Recruiter haben diesen Satz hundertfach gelesen, und er sagt nichts über dich.
So geht's besser: Steig mit einem konkreten Bezug ein, zum Beispiel deiner stärksten Qualifikation oder einem Punkt, der dich am Unternehmen überzeugt.
"Seit drei Jahren optimiere ich Kampagnen im E-Commerce. Ihre Stelle im Performance-Marketing ist genau der nächste Schritt."
Fehler 2: Copy-Paste-Anschreiben
Wenn man den Firmennamen austauschen kann, ohne dass der Text sich ändert, ist es ein Massenanschreiben. Und das merken Recruiter innerhalb von Sekunden. Besonders auffällig: der falsche Firmenname (ja, das kommt vor) oder eine Stellenbezeichnung, die zur Anzeige nicht passt.
So geht's besser: Recherchiere zwei, drei konkrete Punkte zum Unternehmen und nimm sie im Text auf. Passe die Argumente an die Anforderungen der Anzeige an.
Fehler 3: Den Lebenslauf nacherzählen
"Nach meinem Abitur habe ich ein Studium begonnen, danach ein Praktikum bei…" Der Recruiter hat den Lebenslauf schon daneben liegen.
So geht's besser: Das Anschreiben beantwortet die Frage "Warum passe ich auf diese Stelle?" Wähle zwei bis drei relevante Stationen und erkläre, was sie für die Stelle bedeuten.
Fehler 4: Phrasen statt Beweise
- "Ich bin teamfähig, belastbar und flexibel."
- "Ich bin hochmotiviert und lernbereit."
- "Ich bringe Kommunikationsstärke mit."
Alles Behauptungen, die jeder schreibt und die keiner prüfen kann.
So geht's besser: Ein konkretes Beispiel mit Ergebnis.
"Im Praktikum bei [Firma] habe ich mit drei Kollegen den Newsletter-Relaunch umgesetzt. Die Öffnungsrate stieg von 18 auf 27 Prozent."
(Beispiel. Nimm deine eigenen Zahlen.)
Fehler 5: Zu lang
Zwei Seiten Anschreiben liest keiner. Ein Recruiter, der täglich Dutzende Bewerbungen sichtet, hat dafür weder Zeit noch Lust.
So geht's besser: Maximal eine DIN-A4-Seite, etwa 200 bis 300 Wörter, vier Absätze. Streiche alles, was nicht zur Stelle beiträgt.
Fehler 6: Falsche oder keine Anrede
"Sehr geehrte Damen und Herren" ist nicht falsch, aber unpersönlich. Wirklich problematisch: veraltete Ansprechpartner, falsche Namen oder falsche Geschlechtsanrede.
So geht's besser: Finde den Ansprechpartner. Er steht oft in der Anzeige, auf der Karriereseite oder bei LinkedIn. Im Zweifel kurz anrufen und fragen. Das ist nicht aufdringlich, sondern zeigt Interesse.
Fehler 7: Rechtschreib- und Tippfehler
Ein Tippfehler ist ärgerlich, mehrere sind ein Ausschlussgrund, besonders bei Stellen, in denen Sorgfalt gefragt ist. Der Klassiker: der Name des Unternehmens oder des Ansprechpartners falsch geschrieben.
So geht's besser:
- Text vor dem Versenden laut lesen
- Eine zweite Person gegenlesen lassen
- Rechtschreibprüfung nutzen (aber nicht blind verlassen)
- Den Namen des Ansprechpartners zweimal prüfen
Fehler 8: Negative Formulierungen und Bittsteller-Ton
- "Leider habe ich noch keine Berufserfahrung, aber …"
- "Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir eine Chance geben würden."
- "Auch wenn ich nicht alle Anforderungen erfülle …"
Damit wertest du dich selbst ab, bevor der Recruiter es tun kann.
So geht's besser: Formuliere positiv und selbstbewusst.
"Meine Erfahrung aus zwei Praktika im Vertrieb bringe ich direkt in Ihr Team ein."
Fehler 9: Gehalt und Eintrittstermin unpassend platziert
Ein häufiger Fehler ist, im Anschreiben ungefragt Gehaltsvorstellungen oder Bedingungen zu nennen ("Ich erwarte 60.000 €…"). Umgekehrt: Wenn die Anzeige ausdrücklich eine Gehaltsvorstellung verlangt und du sie weglässt, fällt das ebenfalls auf.
So geht's besser: Nenne Gehalt nur, wenn danach gefragt wird (Bruttojahresgehalt oder Spanne). Nenne den frühesten Eintrittstermin, wenn er in der Anzeige gefordert ist oder gut passt. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Gehaltsverhandlung.
Fehler 10: Uneinheitliches Design und falsches Format
Anschreiben und Lebenslauf sehen aus, als kämen sie von zwei verschiedenen Personen. Oder das Anschreiben hängt als Word-Datei an und die Formatierung ist auf dem Rechner des Empfängers verrutscht. Oder: mehrere Anhänge mit chaotischen Dateinamen wie Dokument1.pdf.
So geht's besser:
- Anschreiben und Lebenslauf im gleichen Layout (Schriftart, Größe, Kopfzeile)
- Als PDF versenden
- Sinnvolle Dateinamen:
Nachname_Vorname_Anschreiben.pdf - Alle Unterlagen möglichst in einer PDF oder in klar benannten Einzeldateien (frag nach, wenn die Anzeige etwas anderes verlangt)
Bonus: KI-Texte ohne Überarbeitung
Immer häufiger sehe ich Anschreiben, die glatt, aber inhaltsleer klingen: viele große Wörter, keine echten Beispiele. Wer KI nutzt, sollte den Text als Rohfassung betrachten und mit eigenen Beispielen, Zahlen und Formulierungen füllen. Klingt der Text nicht nach dir, klingt er nach Standard.
Die Kurz-Checkliste vor dem Absenden
- [ ] Erster Satz enthält mehr als "Hiermit bewerbe ich mich"
- [ ] Mindestens ein konkreter Bezug zum Unternehmen
- [ ] Zwei bis drei Beweise statt Behauptungen
- [ ] Ansprechpartner geprüft, Name richtig geschrieben
- [ ] Maximal eine Seite
- [ ] Zweite Person hat Korrektur gelesen
- [ ] Als PDF gespeichert, sinnvoller Dateiname
Wie du das Anschreiben von Grund auf richtig aufbaust, steht im Artikel Anschreiben schreiben. Und wenn der Lebenslauf noch nicht sitzt: Fehler im Lebenslauf.
Häufige Fragen zu Fehlern im Anschreiben
Was ist der häufigste Fehler im Anschreiben?
Ein Standardtext, der nicht auf die Stelle und das Unternehmen zugeschnitten ist. Typische Anzeichen sind der Einstieg "Hiermit bewerbe ich mich" und Floskeln wie "teamfähig und belastbar".
Wie lang darf ein Anschreiben höchstens sein?
Eine DIN-A4-Seite, etwa 200 bis 300 Wörter. Längere Anschreiben werden oft nur überflogen.
Sind Rechtschreibfehler im Anschreiben ein Ausschlusskriterium?
Ein einzelner Fehler führt selten zur Absage. Mehrere Fehler, besonders bei Stellen mit Kommunikationsanteil oder Sorgfaltsanspruch, sind aber ein häufiger Grund für eine Absage. Lass immer noch einmal jemand drüberlesen.
Muss ich im Anschreiben auf Lücken im Lebenslauf eingehen?
Nur wenn sie für die Stelle relevant sind oder Fragen aufwerfen. Dann reicht ein kurzer, sachlicher Satz. Ausführlich rechtfertigen musst du dich im Anschreiben nicht.
Kann ich dasselbe Anschreiben für mehrere Stellen nutzen?
Nicht unverändert. Du kannst eine Grundstruktur mit deinen stärksten Beispielen wiederverwenden. Einstieg, Bezug zum Unternehmen und Argumente sollten aber jedes Mal an die Stelle angepasst werden.
Du willst wissen, wo dein Anschreiben hakt?
Im Unterlagen-Check lese ich dein Anschreiben und deinen Lebenslauf so, wie ein Recruiter es tut, und sage dir konkret, was raus muss und was besser geht.
Kontakt: marcel@cvcheck.online oder Instagram @marcel.lkas. Kostenlose Vorlagen und Checklisten gibt es auf cvcheck.online.
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